Neues Bekenntnis zur Vielfalt: «ZDF für alle»
Alternative Lebensentwürfe werden anerkannt
Der ZDF-Fernsehrat hat am Freitag eine neue Selbstverpflichtungserklärung und Programmrichtlinien in Bezug auf den Aspekt Vielfalt beschlossen.
Nicht mehr nur die Ehe unter Heteros, sondern ausdrücklich auch alternative «Formen des Zusammenlebens von Menschen» werden anerkannt und thematisiert; hierfür soll um Verständnis und Akzeptanz geworben werden.
Wörtlich heisst es neu in dem Absatz II. «Gesellschaftliche Vielfalt»:
(1) Die Angebote richten sich an Menschen aus allen Teilen der Gesellschaft. Sie bilden dabei die gesellschaftliche Vielfalt ab und thematisieren die unterschiedlichen Lebenswirklichkeiten.
(2) Die Angebote fördern das wechselseitige Verständnis für unterschiedliche Lebenssituationen in der Gesellschaft sowie den gesellschaftlichen Zusammenhalt. Das gilt insbesondere bei der programmlichen Darstellung von Ehe, Familie und weiteren Formen des Zusammenlebens von Menschen.
Früher, nämlich in der Fassung vom 11. Dezember 2009, klang das so: «Ehe und Familie dürfen als Institution nicht in Frage gestellt, herabgewürdigt oder verhöhnt werden. In diesem Rahmen sind analytische und kritische Auseinandersetzungen mit Ehe- und Familienproblemen sinnvoll, wenn sie nicht im Übermaß gesendet werden, künstlerisch dramatische Behandlungen, wenn die Zerrüttung von Ehe und Familie als mögliche individuelle Realität, nicht als Normalfall erscheint.» Ehe und Familie, etwas anderes sah man nicht.
Das ist seit Freitag anders.
Zu den Beschlüssen erklärte Staatsminister Kai Klose (Grüne), Fernsehratsmitglied des Landes Hessen, gegenüber MANNSCHAFT:
«Das von Intendant Dr. Norbert Himmler bei seiner Wahl beschriebene ‹ZDF für alle› wird Schritt für Schritt Wirklichkeit: Mit der intensiv in den Ausschüssen vorbereiteten neuen Selbstverpflichtungserklärung bekennt sich der Sender glaubwürdig zur Abbildung vielfältiger Lebensrealitäten und –konstellationen. Gleiches gilt für die Neufassung der Qualitäts- und Programmrichtlinien, der eine lange Diskussionsphase vorausging. Beide Elemente tragen zu einem Programm bei, das die Realität gesellschaftlicher Vielfalt ausdrücklich anerkennt und dazu beiträgt, dass wir uns in Respekt vor unserer Unterschiedlichkeit begegnen: Das ‹ZDF für alle› ist mit dem Beschluss auch formal beschrieben – gelebt wird es bereits.»
Unsere Gesellschaft entwickelt sich weiter, es entstehen neue Lebensentwürfe,
J. Luca Renner, seit 2016 für den Freistaat Thüringen Mitglied im Fernsehrat mit Hauptaugenmerk auf den Interessen der LGBTIQ-Community (MANNSCHAFT berichtete), erklärte auf zdf.de: «Unsere Gesellschaft entwickelt sich weiter, es entstehen neue Lebensentwürfe, Arten des Zusammenlebens oder Formen des Umgangs mit Themen wie zum Beispiel Alter, sexueller Identität oder Religion. Dies gelingt nur, wenn der gesellschaftliche Zusammenhalt gefördert wird und auch und gerade der ÖRR dazu seinen Beitrag leistet. Daher finde ich es völlig richtig, eine sich ständig verändernde Lebenssituation bei allen Teilen der Bevölkerung mit einzubeziehen.» Auch, um Sicherheit zu geben, so Renner.
In der neuen ZDF-Serie «WatchMe – Sex sells» zeigt das öffentlich-rechtliche Fernsehen in Deutschland erstmals die Geschichte von jungen Schwulen, die ihr Geld mit einem OnlyFans-Kanal verdienen (MANNSCHAFT berichtete).
Das könnte dich auch interessieren
Boris Palmer soll sich bei LGBTIQ-Community entschuldigen
Der Kreisvorstand von Bündnis 90/Die Grünen in Tübingen geht auf Distanz zu Oberbürgermeister Palmer. Der müsse stärker auf seine Wortwahl achten, fordern sie.
Rosa von Praunheim dreht Film über schwulen Serienmörder
Die Dreharbeiten zum Film «Teuflische Tropfen», der bisher als «Tödliche Tropfen“ angekündigt war, sind abgeschlossen, der Regisseur will ihn auf der Berlinale 2019 zeigen.
Bisher grösste Jerusalem Pride – trotz Gegendemos
Vor drei Jahren hatte ein strengreligiöser Jude bei der Parade eine 16-Jährige erstochen. Diesmal blieb es ruhig. Aber es gab Gegendemos.
Lesben homophob beleidigt und mit Bierglas verletzt
Ein 35-jähriger Mann soll einer der Frauen ein Bierglas an den Kopf geschlagen haben, sie erlitt eine Kopfplatzwunde und kam ins Krankenhaus.