Beschädigtes Denkmal in Berlin: LSVD kritisiert Kultursenator
Mitte Oktober wurden die beiden Gedenktafeln am Magnus-Hirschfeld-Ufer, die an die erste homosexuelle Emanzipationsbewegung erinnern, beschädigt. Getan hat sich dort seither nichts
Vor sechs Wochen wurden die Gedenktafeln am Berliner Magnus-Hirschfeld-Ufer beschädigt. Die Kulturverwaltung hat seither nicht reagiert, was den LSVD Berlin-Brandenburg ärgert.
Die beiden Gedenktafeln am Magnus-Hirschfeld-Ufer, die an die erste homosexuelle Emanzipationsbewegung erinnern, wurden erneut beschädigt. Die Augen von Anita Augspurg und Karl Heinrich Ulrichs wurden ausgekratzt. Die gleichen Beschädigungen fanden zuletzt im Sommer 2017 statt.
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Der Lesben- und Schwulenverband Berlin-Brandenburg hatte bei der Polizei Anzeige gegen Unbekannt gestellt. Die Kulturverwaltung als Inhaberin der Tafeln wurde um Schadensbeseitigung gebeten. Augspurg war eine Vertreterin der linken radikalen Frauenbewegung, eine Vorkämpferin für die Emanzipation der Frau und lesbisch. Sie starb 1943 in Zürich. Ulrichs, ein offen schwuler deutscher Jurist, war ein früher Einzelkämpfer der Homosexuellen-Bewegung im 19. Jahrhundert.
Doch die Beschädigung wurde bisher nicht behoben. LSVD-Landeschef Jörg Steinert ärgert das.
Es wäre schön, wenn sich das ändert
«Wir haben uns bereits ein zweites Mal an Senator Lederer gewendet, weil er und seine Verwaltung nicht reagieren. Sehr enttäuschend. In 6 Wochen ist nichts geschehen.Zum Vergleich: Die Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas dagegen reagiert binnen 48 Stunden, manchmal sogar 24 Stunden. Bei der Kulturverwaltung ist es fast jedes Mal umständlich. Es wäre schön, wenn sich das ändert.»
MANNSCHAFT hat Kultursenator Lederer um eine Stellungnahme gebeten. Am Montag teilte uns seine stellvertretende Pressesprecherin mit: «Wir arbeiten dran, es kommt schnellstmöglich.»
Am Dienstag dann folgende Mitteilung: Man arbeite mit Hochdruck daran, die Vandalismus-Schäden an den Gedenktafeln zu beseitigen. „Zu den Verzögerungen kommt es zu unserem großen Bedauern, weil die Produktionsstätte der bisher damit befassten Firma vor kurzem komplett abgebrannt ist und bisher noch keine andere Firma mit freien Kapazitäten gefunden werden konnte, die die erforderlichen Drucktechniken umsetzen kann.“ Das Problem betreffe zur Zeit auch andere Gedenktafeln.
LSVD-Mitglieder wollen LGBTIQ-Gedenkorte videoüberwachen
Er habe keine Informationen darüber, wann es geschehen solle. «Das wäre das Mindeste», so Steinert. Manchmal gebe es zwar witterungsbedingte Einschränkungen.«Aber wir hatten es im Oktober sehr warm und trocken. Und auch im November nochmal eine sommerliche Woche.»
Immer wieder Vandalismus am Magnus-Hirschfeld-Ufer Die in etwa 30 Jahren mühevoll aufgebauten Gedenk- und Erinnerungsorte für die homosexuelle Verfolgungs- und Emanzipationsgeschichte wurden in den vergangenen Jahren wiederholt beschädigt. Der Vandalismus fand meist in zeitlicher Nähe statt. Bislang konnten keine Täter ermittelt werden.
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