Regenbogenflaggen in Türkei – Staatsanwaltschaft will Haft für Studierende
Ihnen wird «Aufhetzung zu Hass und Feindseligkeit» angelastet, wie aus der Anklageschrift hervorgeht
Wegen eines umstrittenen, auf einer Universitäts-Ausstellung präsentierten Bilds mit Regenbogenflaggen hat die Istanbuler Staatsanwaltschaft bis zu drei Jahren Haft für sieben Studierende gefordert.
Ihnen wird «Aufhetzung zu Hass und Feindseligkeit» angelastet, wie aus der Anklageschrift hervorgeht, die der Deutschen Presse-Agentur am Freitag vorlag. Zwei von ihnen wird etwa vorgeworfen, das Bild in der Ausstellung auf dem renommierten Bogazici-Campus aufgehängt zu haben (MANNSCHAFT berichtete).
Darauf ist eine Szene rund um das muslimische Heiligtum in Saudi-Arabien, die Kaaba, zu sehen: Die Kaaba ist fast vollständig von einem mythischen Wesen verdeckt. Den Rand des Bildes zieren Regenbogenflaggen. Die Urheber des Bildes sind nicht bekannt. Zwei Studenten wurden in dem Zusammenhang verhaftet.
Studierende und Akademiker der Bogazici-Universität sowie Unterstützer protestieren seit Anfang Januar gegen den neuen Direktor Melih Bulu. Er steht der islamisch-konservativen Regierungspartei AKP nahe und wurde von Präsident Recep Tayyip Erdogan eingesetzt. In dem Zusammenhang hatten die Studenten auch eine Ausstellung auf dem Campus organisiert, auf der unter anderem das umstrittene Bild ausgestellt wurde.
Ehe für alle: Gott soll beim Referendum helfen
Das Bild wurde unter anderem von der islamischen Gruppe der Studentinnen und Studenten der Bogazici-Universität als beleidigend kritisiert. Erdogan und Innenminister Süleyman Soylu hatten die protestierenden Studierenden wiederholt scharf attackiert.
Die staatliche und liberal ausgerichtete Bogazici-Universität gilt als eine der besten des Landes. Anfang Januar begannen die Studierenden gegen den neuen, vom türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan eingesetzten Rektor der Universität zu protestieren. Seit 2018 entscheidet Erdogan allein über die Besetzung der Chefposten.
Auch in der Mode sind Regenbögen in der Türkei nicht gerne gesehen (MANNSCHAFT berichtete).
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