Frankreich führt Kampagne gegen LGBTIQ-Mobbing an allen Schulen ein
Homo- und transphobe Vorfälle an französischen Schulen haben um 38 % zugenommen
Frankreich hat der Homo- und Transphobie im Schulalltag den Kampf angesagt. Eine nationale Kampagne soll die Akzeptanz und das Wohlergehen von LGBTIQ-Schüler*innen fördern.
Am 28. Januar gab das französische Bildungsministerium die neue Kampagne «Tous égaux, tous alliés» bekannt («Alle gleich, alle verbündet»). In Mittel- und Oberstufen im ganzen Land sollen Poster gegen die Ausgrenzung von LGBTIQ-Schüler*innen vorgehen. Ein Leitfaden soll den Lehrkräften zusätzliche Ansätze liefern, um die gesamte Schülerschaft auf die Thematik zu sensibilisieren und sie zu «LGBTIQ-Verbündeten» zu machen.
Das Bildungsministerium verweist auf verschiedene Umfragen, die sich mit dem Wohlbefinden von Schüler*innen an französischen Schulen auseinandersetzen. 18% der befragten Schülerschaft gab an, in den letzten 12 Monaten homophob beleidigt worden zu sein.
Eine weitere Umfrage, die mit minderjährigen LGBTIQ-Schüler*innen durchgeführt worden war, wirft ein noch schlechteres Bild ab: 72 % bezeichneten das Schulklima als «schlecht» oder «sehr schlecht».
«Diese Zahlen widerspiegeln einen Alltag, den nur die wenigsten Schüler*innen anzusprechen wagen, vor allem wenn sie selbst betroffen sind», schreibt das Bildungsministerium in einer Mitteilung. Es sei klar, dass die Schulen handeln müssen. «Die Lage ist ernst und die Folgen von Homo- und Transphobie sind bekannt, vom Rückzug aus dem Schulalltag und einem Einbrechen der Leistungen bis hin zum Schulabbruch und Suizidgedanken.»
Die neue Kampagne erarbeitete das Bildungsministerium in enger Zusammenarbeit mit der Organisation «SOS Homophobie». Diese spricht von einer Zunahme von homo- und transphoben Fällen an französischen Schulen von 38% im letzten Jahr. Die Suizidrate von LGBTIQ-Jugendlichen sei viermal höher als bei anderen Jugendlichen.
«SOS Homophobie» engagiert sich seit mehreren Jahren für das Wohlergehen von LGBTIQ-Jugendlichen an französischen Schulen. Allein im letzten Jahr hat die Organisation gemäss eigenen Angaben 27’000 Schüler*innen in 1150 Klassen auf LGBTIQ-Anliegen sensibilisiert.
Das könnte dich auch interessieren
Boris Palmer soll sich bei LGBTIQ-Community entschuldigen
Der Kreisvorstand von Bündnis 90/Die Grünen in Tübingen geht auf Distanz zu Oberbürgermeister Palmer. Der müsse stärker auf seine Wortwahl achten, fordern sie.
Rosa von Praunheim dreht Film über schwulen Serienmörder
Die Dreharbeiten zum Film «Teuflische Tropfen», der bisher als «Tödliche Tropfen“ angekündigt war, sind abgeschlossen, der Regisseur will ihn auf der Berlinale 2019 zeigen.
Bisher grösste Jerusalem Pride – trotz Gegendemos
Vor drei Jahren hatte ein strengreligiöser Jude bei der Parade eine 16-Jährige erstochen. Diesmal blieb es ruhig. Aber es gab Gegendemos.
Lesben homophob beleidigt und mit Bierglas verletzt
Ein 35-jähriger Mann soll einer der Frauen ein Bierglas an den Kopf geschlagen haben, sie erlitt eine Kopfplatzwunde und kam ins Krankenhaus.