Gleichstellungsmarsch gegen Homohass in Polen
Durch die Stadt Płock zieht an diesem Samstag ein Gleichstellungsmarsch. Die Veranstalter*innen sorgen sich um die Sicherheit der Teilnehmer*innen
In der polnischen Stadt Płock wird am Samstag für die Gleichstellung von Homosexuellen demonstriert. Der Marsch findet in einer aufgeheizten LGBTIQ-feindlichen Stimmung im Land statt
Gerade drei Wochen ist es her, dass die Pride im polnischen Bialystok von Hooligans attackiert wurde. Sie bewarfen Teilnehmer*innen mit Steinen und Feuerwerkskörpern, einige wurden verletzt. Die katholische Kirche und Nationalisten hatten zuvor gegen die Parade gehetzt.
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Auch diese Woche gingen die Angriffe auf LGBTIQ weiter. So hat sich der Vorsitzende von Polens Bischofskonferenz erneut gegen eine Eheöffnung ausgesprochen und die «LGBTQ-Ideologie» verurteilt. Zwar seien homosexuelle Menschen «unsere Brüder und Schwestern», so der Erzbischof von Posen, Stanislaw Gadecki, in einer von der Bischofskonferenz veröffentlichten Erklärung. Doch das dürfe nicht «zur Akzeptanz einer Ideologie» führen, die darauf abziele, soziale Gewohnheiten und zwischenmenschliche Beziehungen zu zerstören.
Gadecki forderte polnische Abgeordnete zum Widerstand gegen eine Öffnung der Ehe auf. Auch sollten die örtlichen Behörden keine Entscheidungen treffen, «die unter dem Deckmantel des Kampfes gegen Diskriminierung die natürliche Geschlechterdifferenz zwischen Mann und Frau leugnet», so der Erzbischof.
Petition für wirksamen Schutz In dieser aufgeheizten Stimmung findet an diesem Samstag in der 120.000-Einwohner-Stadt Płock etwa 100 km nordwestlich von Warschau der Gleichstellungsmarsch statt. Die Veranstalter*innen haben dazu eine Petition gestartet, mit der sie verhindern wollen, dass sich die Ereignisse von Bialystok wiederholen. «Wir fordern den wirksamen Schutz der friedlichen Versammlungsteilnehmer!», heisst es darin.
Zuvor hatte Krakaus Erzbischofs Marek Jedraszewski in einer Predigt von einer «Regenbogen-Seuche» gesprochen. Das hatte zu Protesten geführt. Manche der Reaktionen zeugten von einem gewissen «ideologischen Totalitarismus» gegenüber Andersdenkenden, verteidigte Gadecki seinen Amtskollegen aus Krakau. Im Frühjahr hatte die katholische Bischofskonferenz einem Polen gratuliert, der von Ikea gefeuert worden war: Der Mitarbeiter hatte gegen die Inklusion von Homosexuellen protestiert.
Auch die regierende PiS-Partei macht in Polen mit Homohass Politik. Im Frühjahr hatte Parteichef Jaroslaw Kaczynski Homosexuelle als «Bedrohung» für sein Land bezeichnet. Dass Hass und Hetze Hochkonjunktur haben, ist kein Zufall: Mitte Oktober finden in Polen Parlamentswahlen statt.
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Und 2020 wird ein neuer Präsident gewählt. Auch Robert Biedroń tritt an, der offen schwule Ex-Bürgermeister der Stadt Słupsk. Er hat unterdessen die linksliberale Partei Wiosna (Frühling) gegründet. Zu den Forderungen Biedrońs gehört u. a. die Öffnung der Ehe für homosexuelle Paare. Tatsächlich zeigt sich die polnische Bevölkerung zunehmend tolerant gegenüber Schwulen und Lesben: 55 % der Polen sprechen sich für die Ehe für alle aus.
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